Offenbar scheint es bei StudiVZ einen ersten Fall gegeben zu haben, bei dem die "kreative Zielgruppe" eines Crowdsourcing-Projekts rebelliert. Ein Werbewettbewerb, der auch bei Handelsblatt Online angekündigt wurde, und der zum Ziel hat, "Studenten mit guten und innovativen Werbeideen zu fördern und ihnen eine Plattform für ihre Ideen zu bieten", scheint bei manchen StudiVZ-Mitgliedern nicht auf viel Begeisterung zu stoßen. Ganz im Gegenteil scheint es Entrüstung darüber zu geben, dass Holtzbrinck die siegreichen Teilnehmer mit eher müden Preisen abspeisen wollte (worüber sich Patrick auch schon ausführlich aufgeregt hat). In einer entsprechenden Gruppe namens "Werbevisionen - Jetzt wird's armseelig" sind mittlerweile 43 Mitglieder versammelt, die sich darin einig sind, dass das Projekt auf Ideenklau hinausläuft. Im Beschreibungstext der Gruppe heißt es:
"Daraufhin wurde die Gruppe [Anm. Verf.: hier ist wohl die Ursprungsgruppe für das Projekt gemeint] - die sich nie wirklich etablierte und bisweilen maximal 600 Mitglieder aufwies - von entsetzten Nachfragen und empörten Äußerungen nahezu gesprengt, woraufhin nur wenige Stunden später die gesamte Gruppe gelöscht wurde."
Ich kann grade nicht mehr nachvollziehen, ob der Wettbewerb bei StudiVZ noch immer ausgelobt wird, beim Einloggen auf der Startseite jedenfalls habe ich keine Ankündigung mehr gesehen. Es gibt allerdings unter dem Namen Werbevisionen noch zwei weitere Gruppen, eine heißt nur Werbevisionen, hat aktuell fünf Mitglieder und die Beschreibung "Die Nachfolgegruppe der so missbilligten Gruppe, die leider aufgelöst wurde", trägt allerdings ein dieser Beschreibung etwas entgegenlaufendes Banner, in dem es heißt "Eure Stimme zählt, gegen den modernen Ideenklau". Die andere nennt sich "Werbevisionen - Wir waren dabei!", hat 14 Mitglieder und trägt die Beschreibung "Dies ist eine Anlaufstelle für alle noch nicht fertig ausgeredeten, sich unterbrochen fühlenden und schockierten Personen, den tragischen Verlust einer Gruppe hinehmen zu müssen". Sollte eine offizielle (?) Gruppe für das Projekt aber tatsächlich zunächst existiert haben und dann aufgrund der Proteste aufgelöst worden sein, wäre das schon recht bemerkenswert. Denn die Ankündigungen von Holtzbrinck in den verschiedenen Medien sind ja nun in der Öffentlichkeit. Wenn nun kein Wettbewerb zustande kommen sollte, müsste das zumindest an irgendeiner Stelle offiziell erklärt werden.
Aus meiner Sicht lässt sich an dieser Sache gut beobachten, dass man bei Crowdsourcing-Projekten alles daransetzen muss, dass sich die potenziellen Teilnehmer auf keinen Fall ausgebeutet fühlen. Denn dann kann die Sache sehr schnell ins Gegenteil umschlagen - wie man hier sieht. Insgesamt halte ich dies eigentlich immer für den wunden Punkt bei solchen Projekten. Selbst wenn man die Gewinnprämie recht hoch ansetzt, wird damit letztlich nur einer bezahlt - der Sieger. Alle anderen gehen, zumindest finanziell gesehen, leer aus. Selbst wenn sie sich für das Projekt einen Arm und ein Bein ausgerissen haben.


