Heute habe ich mich im Rahmen eines Workshops am IEB u. a. mit Prof. Hartmut Wöhlbier aus Mannheim (Institut für Interaktive Medien) unterhalten. Er betreibt seit 1999 das Forum Motor-Talk, das größte Autoforum in Deutschland. Ich habe ihn nach seiner Meinung zu Autoki gefragt, und wieweit es beim Motor-Talk auch à la Web 2.0 Möglichkeiten für die Nutzer geben wird, sich über Profilseiten auch selbst darzustellen. Seine Reaktion in Kurzform: auch wenn Profilseiten eingeführt werden sollen, erwartet bzw. fürchtet er, dass sie zu einer Verflachung der Kommunikation in Communities führen. In einem klassischen Forum könne man die anderen Nutzer nur dadurch kennenlernen, dass man sich intensiv mit deren Postings auseinandersetzt. Je mehr Texte und Meinungen man von einem Menschen liest, desto mehr wisse man über seine Vorlieben und seine Vorstellungen. Die Autoren gäben sich deswegen sehr viel Mühe mit ihren Texten und bemühten sich um Niveau. Wenn man dagegen erstmal mit einer Profilseite anfängt, Fotos von sich zeigt, seine Hobbies und Haustiere auflistet, dann bestehe die Gefahr, dass der Austausch verflacht und man weniger Wert auf den eigentlichen Austausch legt.
Ich bin nicht sicher, ob ich diesen Thesen zustimme. Ich denke, dass man das eine tun kann und dabei das andere nicht lassen muss. Nur weil jemand seine Profilseite pflegt, heißt es meiner Ansicht nach nicht, dass er deswegen schlechtere Beiträge in der Community schreibt. Die Kommunikation wird durch ein eigenes Profil sicher personalisierter und stärker auf das Individuum bezogen. Aber damit steigt auch für viele das Involvement, was wiederum die Community stärkt. Außerdem wird der Zugang zu den Leuten erleichtert. Für viele, die sich erstmal in einer Community umsehen und orientieren wollen, ist es sicher letztlich gastfreundlicher, wenn man sich erstmal die Leute ansehen und dann in die Diskussion einsteigen kann.


